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Logic Joe auf der PUSH Conference 2019 #push19/

Alex, unser Creative Lead, war auf der PUSH Conference 2019 in München und berichtet über die spannenden Präsentationen rund um Design, UX & kreative Projektarbeit.

ACHTUNG: Die ungefähre Lesezeit ist 10min, wer es eilig hat kann sich aber auch direkt die unten stehende Summary ansehen.

Vorwort

Als gestandener Kreativer weiß man zu schätzen, wenn man ab und zu im ansonsten mit Projektarbeit wohl gefüllten Arbeitsjahr mal etwas für das eigene Gestalterherz tun kann. Wenn man für ein oder zwei Tage raus kommt und ein gutes Fachevent besuchen darf, spannende Themenvorträge erlebt und natürlich Unmengen an neuen Eindrücken zur Arbeit als „UXler“ oder einfach als Kreativer bekommen kann.

Mit genau dieser Hoffnung sitze ich nun in einem gemütlichen Cafe (SFCC) um viel-zu-früh 7:45 und harre dem Moment, dass die Push Conference 2019, eine explizite UX Konferenz im lauschigen München, startet. Dies ist mein erster Besuch auf der “PUSH” und ich hab hohe Erwartungen. Der Capuccino ist schonmal sehr gut, der Carrot Cake ganz okay.

Natürlich hab ich mir schon die spannenden Themen rausgestrichen – was jedoch scheinbar bis auf die „Breakout Sessions“ unnötig zu sein scheint – es gibt fast keine Parallelvorträge, alles folgt hübsch nacheinander im Stundentakt im Hauptraum des Gebäudes. Cool. Nix verpassen, weil Spannendes gleichzeitig läuft! Entsprechend wird es mir auch leicht fallen hier zu jedem Thema ein bisschen was zu schreiben – schlicht hintereinander weg.

Nicht zu unterschlagen – gestern war schon ein initialer Workshop Tag zu wahlweise einem von zwei Themen (1.: Emotionally Intelligent Design mit Pamela Pavliscak und 2.: Writing for Designers mit Scott Kubie). Aber da war ich nicht mit dabei – ich bin erst zu den eigentlichen zwei Vortragstagen angereist. Also genieß ich hier noch meinen Kaffee und werde in den folgenden Zeilen zu den einzelnen Themen berichten.  Ich hoffe, ihr habt Spaß beim Lesen und findet über die eingestreuten Verlinkungen wertvolle Zusatzinfos. **schlürf**

 

Intro & Check-In

Die Push ist eine professionell organisierte Konferenz. Der Check-In war super fluffig (Goodie-Bag!), die Örtlichkeit angenehm, übersichtlich und mit interessanten Ausstellungen gespickt, die man sich in Lückenzeiten anschauen sollte. Studentenprojekte, Start-Ups, Agenturen (auf Mitarbeitersuche)… und viele Gespräche schon ab der ersten Minute machen den Vorraum schon früh zu einem summenden Bienenstock. Man fühlt sich direkt wohl. Es gibt ein sehr gutes WiFi (danke, wifi rockstars) und Stehtische. Wenig Platz zum Sitzen, das wird sich die Tage noch als Nachteil erweisen.

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Day 1 – Vortrag 1 – Form of Innovation

the Product FieldMichael Schieben

Wow. Ich gebe zu, am Anfang wusste ich nicht was so inhaltlich kommt, dachte aber es wird was mit Produktentwicklung zu tun haben und ist deshalb per se spannend. War es auch – im Prinzip wurde uns hier in einer guten Stunde eine grundlegend und ganzheitlich omniforme Herangehensweise an das Thema Innovationsentwicklung gezeigt – „not just another canvas“ – sondern eine tiefendurchdachte Methode, die sich da Herr Schieben mit Kollegen ausgedacht hat. Sie zu erklären sprengt sicherlich den jetzigen Moment – aber im Grunde ist es eine Methode wie man kontrolliert und inspirativ alle Aspekte einer Produktentwicklung kooperativ angehen kann. Gibt es als Buch, muss ich mir besorgen. Und ist sicherlich einen eigenen Blogbeitrag wert.

push#19 productfield

Day 1 – Vortrag 2 – Inclusive Research

Lauren Isaacson

Now something totally different – im Prinzip ein mit viel Leidenschaft und Logik vorgetragener Aufruf, bei Recherche- und Analyseprojekten, sprich also auch Usertests, aber auch in frühen Projektphasen auch immer an Menschen mit Behinderung zu denken. Zugegeben natürlich richtig und bei Weitem kein neues Thema, ist aber immer noch ein Thema das in operativen Projekten differenziert und – leider – unterschlagen wird. Spannend vorgetragen mit vielen guten Argumenten und Herzblut. Und es ist in vielen Dingen so einfach zu berücksichtigen. Lauren sprach über die verschiedensten Arten von Behinderung und die Hindernisse die entstehen, wenn man Menschen mit Behinderung als Probanden in Usability Tests aufnimmt.

push#19 laura isaacsen

Mittag

Das Catering war gut und easy, die Schlangen lang. Es wurde aber jeder satt. Die folgenden Themen – Playful Machine Learning (Andreas Refsgaard) und einige Lightning Talks habe ich einigen spontanen Aufgaben und dem Schreiben dieses Blogs geopfert. Dafür geht es am Nachmittag um so spannender weiter:

#push19 lunch day 1

Breakout Time!

Aktive Sessions im kleineren Kreis – mein Thema: Design Vs. Development: A DesignOps Method to ease the pain. (DEED Rome / nois3)

Klingt spannend. War es auch, jedoch leider inhaltlich und von der Lösung, die vorzustellen versucht wurde leider etwas enttäuschend. Schade, da die Präsentatorin Imke Bähr sehr sympathisch war (ihre allererste Präsentation auf einer Konferenz, und das merkte man, aber charmant) und von ihrem Thema überzeugt war Ihr Kollege Carlo Frinolli war da etwas sprechsicherer – aber ebenso sichtlich nervös.
Ich habe mir spontan vorgenommen, sie zu einem späteren Zeitpunkt mal anzusprechen.
Leider kam das eigentlich Essenzielle wohl auch bei den anderen Zuhörern begrenzt an – an sich wurde eine Art „agiler“ Step-by-Step Prozess beschrieben der zwischen Analyse, Definition, Übergabe, Umsetzung („JTBD – Jobs to be done“) und erneutem Testing sehr nach einem agilen Sprint-Projektprozess klang – dieser aber nicht konkret erwähnt wurde. Es ging darum, eine gemeinsame Sprache zu finden, gemeinsame Erkenntnisse zu gewinnen (am Beispiel eines Redesign Projekts eines Software-Dashboards) und diese feature-by-feature im Zeitrahmen von wenigen Wochen umzusetzen. Klingelt da was? In der Tat. Mal sehen, ob ich die beiden zu diesem Thema nochmal ansprechen kann.

#push19 gettheworkdone

Derweil – gleich geht’s weiter:

 

Designing Design Processes

(Alex Potrivaev)

Alex Potrivaev ist nicht nur ein sehr routinierter Redner, sondern auch Produkt Designer bei Intercom, einem Unternehmen für Custom Messaging Apps und er Sprach mit uns über seine Arbeit bei der Entwicklung verschiedener Messaging Systeme und die Probleme die seine Teams dabei hatten, prinzipiell gleichartige Features auch gleich zu gestalten. Klingt simpel, war aber glaubhaft nicht so leicht, wenn man’s bedenkt.
Wie schafft man es, ein konsistentes UI und damit auch eine durchgängige UX zu entwickeln, wenn man ganz Start-Up like maximal schnell ein Produkt auf den Markt wirft („Move fast and break things!“) – und Komponenten parallel entwickelt – in einzelnen Teams und damit quasi zwangsläufig mit ähnlichen Features, aber komplett unterschiedlich gelöst?

Schon wieder spannend. Und in der Wahrheit, so Alex, irgendwo zwischen „bottom to top“ (wenige Features erst entwickeln und dann auf deren Basis weitere ausrollen, auf einem gemeinsamen System basierend) und „top to bottom“ (genau andersrum – alles gleichzeitig und dann irgendwie zusammenführen). Tricky – muss man drüber nachdenken. Seine Lösung war – den richtigen Punkt finden, an dem man das eine beendet und das andere beginnt – abhängig davon ob man eine recht konkrete Produktvision hat (dann gerne top to bottom anfangen) oder eben nicht, dann lieber klein starten und wachsen.

Der Spannungsbogen – mit Komplexität bzw. Parallelität in der Produktentwicklung erwächst Inkonsistenz, und das quasi unvermeidlich. Es sei ein natürlicher Prozess, daraus folgernd Systeme zusammenzuführen, ein Haufen Arbeit, und nichts was man fürchten müsse, sondern annehmen muß. Ich denke da ist viel Wahres dran, auch wenn ich gerne gefragt hätte wie groß denn seine Teams in der Produktentwicklung denn waren – und wieso diese nicht miteinander gesprochen haben. Sich proaktiv abgestimmt und gegenseitig konsultiert haben. Doch dazu war leider keine Zeit mehr – der nächste und damit letzte Vortrag des Tages folgte. Vielleicht folgt dazu auch ein eigener Blogbeitrag.

push#19 Designing Design Processes

Last but not least – der letzte Vortrag des Tages:

 

Design Feeling is the new Design Thinking

(Pamela Pavliscak)

Ein kleines Persönchen mit eine extrem fesselnden Stimme und Art zu sprechen. Perfekt passend zu ihrem Thema – Trends und Entwicklungen in der Forschung zu intelligenten Systemen die Emotionen messen, auswerten und – so in Zukunft – steuern können. Ein höchst spannendes und nahezu utopisch klingendes Feld, das jedoch – so schien es – komplett auf aktuellen Fakten, echten Technologien und existierenden Apps beruhte und im Grunde eine Mischung aus Faktenbericht und ethischer Diskussion war. Ich kann die Details so gar nicht mehr widerspiegeln – es lohnt sich also auch hier, weiter zu recherchieren, wenn von Interesse, wie die Zukunft von Alexa, Siri und Co. werden könnte. Was es bedeuten wird, wenn Technik erkennt, ob ein Mensch glücklich, verärgert oder traurig ist, und welche Anwendungsformen es dazu geben kann. Kommunikationsassistenten, die einem Tipps geben, was man am besten zu seinem Gegenüber sagen soll – basierend auf real-time Analysen von Mimik und Sprache des Gegenübers? Gibt es! Verblüffend.

Entsprechend schnell war der Vortrag auch vorbei, man erwachte aus einem utopischen Verblüffungstraum – mit vielen Fragen im Kopf. Was wenn jemand diese Technik missbraucht? Wo sind die Grenzen? Wie weit kann das noch gehen? Fakt ist – heute ist die Technik noch begrenzt, und nicht immer zuverlässig. Und ja, man wird sie zum Guten nutzen müssen…und sie in den Alltag aufnehmen können. Frau Pavliscak erinnerte – als einfache Parallele – an die Zeit, als das Internet begann Nutzerverhalten zu protokollieren und auszuwerten. Damals ähnlich kritisch betrachtet, heute ziemlich normal.
Jedenfalls stehen wir vor der Tür einer intelligenten und emotionalen neuen Technologie-Welt, und wir – die Menschen die Produkte darum entwickeln, gestalten und fördern stehen an der Stelle, das Richtige draus zu machen. Große Worte, die den Tag gebührend mit großem Applaus beendeten. Mehr zu ihrem Thema gibt es z.B. auch als Buch

#push19 emotionally intelligent design

Epilog Tag 1

Ein gelungener Tag. Rundum. Spannend, menschlich, informativ, erhellend und lustig. Der Dreadlocks-Hippie der im Herren-WC wie aus dem Nichts seelenruhig eine Katzenwäsche machte, die vielen vornehmlich jungen Leute, voller Enthusiasmus und Begeisterung für UX und Design, spannende Projekte, gutes Essen und eine tolle Wohlfühlatmosphäre. Ich weiß jetzt schon – morgen wird es ähnlich gut, und damit bin ich mir jetzt schon sicher, gerne nächstes Jahr wieder zu kommen. Mal sehen, ob das klappt. Aber erst mal sehen wir was morgen so kommt…

 

Intro Tag 2:

Wieder in der SFCC, diesmal mega leckerer NY Cheesecake und einige Dinge bearbeiten und überlegen, welche Vorträge denn heute zu besuchen sind und welche ggf. entfallen dürfen. Die spannenden Titel sind dieses Mal eher am Nachmittag zu finden – „Futures Design Thinking“, oder „Secrets, Data won’t tell you“ klingen erstmal gut.
Persönlich hab ich aber auch ein Auge auf „How to get the writing done“ geworfen. Kreatives Schreiben? Text-UX? Microtexting? Ich bin neugierig.

Bei den Breakout Sessions bin ich unsicher… „Designing bad interfaces“ klingt lustig… aber ich denke ich schau mir eher „How to pitch your idea properly“ an. Ich denke, das ist nützlicher 😀 .

#push19 impressionsday2

Substantive Tech

(Mala Kumar)

Der Tag beginnt mit einem wichtigen, aber auch in unserer täglichen Welt sehr sehr vernachlässigten Thema, das sich aus dem Titel nicht einmal wenn ich diesen durch Google Translate schicke erschließt. Gemeint ist Tech (und Design) für die Belange von Entwicklungsländern. Welche Anforderungen und Situationen herrschen vor, wenn man ein Projekt für ein Land durchführt, wo keiner sich ein Smartphone leisten kann, wenn die Menschen von Hunger, Krieg oder anderen essenziellen und grundlegenden Problemen betroffen sind – im Kontrast zu 1st world Problemen wie wir sie eigentlich kennen und im Alltag behandeln.

Frau Kumar brach eine gewaltige Lanze für dieses Thema, zeigte ihre Arbeit bei Github wie auch ältere Projekte und holte uns alle mit einem Appell ab, nicht nur die Unterschiede zu erkennen sondern auch zu prüfen, ob man selbst (als Unternehmen) dazu beitragen will. Dieser Vortrag war fachlich vielleicht nicht der hilfreichste für das nächste Projekt, um so mehr aber einer der erhellendsten, auch mal aus seinem eigenen Kreis herauszudenken. Ziemlich vergleichbar wie der Vortrag von Lauren Isaacson zu Inclusive Design.

#push19 substantive tech

How to get the writing done

(Scott Kubie)

Noch ein Buch, das man unbedingt gelesen haben muß. Noch ein Vortrag, der schmerzhaft tief in meine eigene tägliche Arbeit hineinsticht: Texten für (UX-) Projekte. Die Wichtigkeit guter, treffender Texte. Die Erkenntnis, dass Texten nicht nur ebenfalls ein ganz eigener, essenzieller Designprozess ist, sondern auch gerade deshalb einen großen Einfluss auf die Qualität unserer Arbeit hat. Es ging um die Arbeit des Texters in solchen Projekten, wie dieser sich einzufinden hat, die Methoden für gutes Schreiben und die vielen Aspekte wo etwas haken kann. Auch, wo und wann das Thema Content / Text in einem Projekt am besten zu platzieren sei, und was zuerst kommt – Konzept/Design oder Text? Wireframe oder Inhalt? Henne oder Ei?

Scott ist ein erfahrener Texter und wunderbarer Präsentator. Seine Folien wurden reihenweise direkt abfotografiert (auch von mir) und fast jede eine direkte Inspiration, selbst für mich als jemand der nur textet, wenn es „sein muß“. Aber ja, es muß oft sein, und sollte ein essenzieller Bereich jedes Projekts sein. Und damit ist dieser Vortrag ein klarer und wiederholter Appell, direkt diesen Punkt nochmal auf unsere Agenturagenda zu setzen. Und – das Buch direkt zu kaufen.

#push19 writing for designers

Design for Trust

(Sebastian Oschatz, HfG Offenbach)

Was als gutes Thema begann (das grundlegende Thema Vertrauen – wozu ist das gut, wie entwickelt man so etwas, was für „Arten“ gibt es) – entfaltete sich leider im späteren Ablauf des Vortrags in eine Abfolge von Anwendungsbeispielen bei verschiedenen Messen und Branchenprojekten, die meinem Empfinden nach eigentlich nicht mehr viel mit diesem expliziten Thema zu tun hatten. An sich gute Beispiele für Lernanwendungen auf Messen und in Museen, fraglos cool gemacht, jedoch was das mit „Trust“ zutun hatte entzog sich meiner Erkenntnis – und ich glaube einem Großteil der Zuhörer auch. vielleicht lag es am anspruchsvollen Thema oder der Sprechweise von Herrn Oschatz – Fragen wurden keine gestellt. Dennoch mit Sicherheit ein Thema, das den Klick auf den Link oben lohnt.

#push19 designtotrust

Lightning Talks / 4x15min (Mette Boldt, Wolfgang Klein, Till Winkler, Laura Vidal)

Kurze Vorträge zu viel lustigen, teils kontroversen Themen hier ebenso kurz zusammengefasst:

  • Mette sprach über ihre Studienabschlussarbeit – UNWRAP. Ein Gerät das man sich ans Handy hängt und das über ein Display aller Welt anzeigt, welche App man gerade nutzt. Witzig, gefährlich, ohne Anwendungsnutzen, aber mit viel Potenzial, Diskussionen aufzuwerfen? In der Tat!
  • Wolfgang sprach über COBOTS und einige Prinzipien, wie diese COllaborativen ROBOTter aussehen, funktionieren und interagieren sollten – und wie nicht. Gestützt durch einige grundlegende Hypothesen und viele witzige Beispiele gab er uns einen kurzen spannenden Einblick in diese neue Technologie. Zwischen BostonDynamics und Terminator… da kommt was auf uns zu!
  • Till hat ein Unternehmen, das VR Anwendungen testet – für große und kleine Unternehmen. Er beschrieb seine Erlebnisse mit solchen Kunden und gab Ratschläge, wie (und wann!) man so etwas testen soll. Kurz gesagt: Ein bisschen anders als ein normaler Usertest. Eben interfaceadequat.
  • Laura zum Abschluss sprach sich dafür aus, SCHLECHTES DESIGN zu machen. Ihr Argument ist einfach – es existiert sowieso, überall, und wenn man (ernsthaft) dieses vermeiden will, ist es mal interessant, es konkret bewusst zu tun. Ein Lautstärkeregler als AngryBirds-Like Kanonenkugel? Eine Telefonnummerneingabe per SNAKE Retrogame? Gar nicht so abwegig wie es klingt, ähnlich „schlechtes Design“ gibt es eben überall.

#push19 lightningtalks

Nach so viel Input musste ich die darauf folgenden Breakout Sessions leider skippen um das Gehörte zu verdauen und zu protokollieren. Aber es folgen ja noch zwei größere Vorträge, bevor dieses grandiose Event endet:

 

The Secrets Data won’t tell you

(Vicki Tan, Headspace)

Nein, Vicki sprach nicht über Daten und Geheimnisse. Sie hatte kurzfristig ein anderes Vortragsthema gewählt. Als UX Designerin bei Headspace, dem Unternehmen hinter der bekannten Meditations-App war sie beteiligt an der Entwicklung neuer Features zur Erhöhung der Conversion und des monetären Umsatzes der App. Heute arbeitet sie dort nicht mehr – und ihr Vortrag war quasi eine Erklärung, weshalb.

Sie beschrieb einige Teilprojekte innerhalb des Produktentwicklungs-Prozesses der App – Maßnahmen die nicht nur wunderbar gestaltet, sondern auch sinnstiftend waren für Komfort und Funktionsweise der App (die nebenbei gesagt durch die schönen Illustrationen sehr fein gestaltet ist). Jedoch konvertierten sie auch nach mehreren konzeptionellen Neuansätzen nicht, die bezahlten Neuregistrierungen und damit der Gewinn erhöhten sich nicht, die Features wurden nicht in die App integriert.

Damit spannte sie auch den Bogen zurück zu der Frage, wieso sie das Unternehmen verließ – es war für sie nicht nachvollziehbar wieso nur Umsatzsteigerung der relevante KPI für die App sein müsse – und war enttäuscht dass nicht auch Wertsteigerung und Relevanz für den Nutzer tragende Argumente waren.
Der finale Appell an uns also – Lasst uns Produkte entwickeln die nicht nur verkaufen, sondern auch Sinn und Nutzen für den Menschen bringen – abseits des finanziellen Gewinns. Jawohl – richtig. Tosender Applaus für eine nicht nur sehr schöne Präsentation, sondern auch für eine Kreative die einen Nerv traf. Danke, Vicki!

#push19 umami

Futures Design Thinking: Speculative Design, Strategic Foresight and other ways to respond to the future

(Phil Balagtas)

Der letzte Vortrag dieser grandiosen Konferenz war vielleicht der inhaltlich anspruchsvollste. Phil ist Interaction Designer, Experience Designer und so etwas wie ein Zukunftsforscher bei McKinsey. Sein Thema ist die Zukunft, und wie der Mensch dort mit Daten, Wissen, und anderen Menschen interagieren wird. Dabei nutzt er elaborierte Methoden, um mögliche Szenarien schon heute zu entwickeln – und experimentell abzubilden. Theoretisch, aber auch praktisch, in Ausstellungen und Zukunftslaboren in Museen und Unternehmen. Er zeigte Beispiele, nicht nur von sich selbst auch von anderen Künstlern und Forschern – und verblüffte uns dabei mehrfach. Futuristische Designstudien zu Lebensmitteln, Autos, Spielzeug – teils begeisternd, teils erschreckend, teils verwirrend und albern.

Doch der Nutzen ist real – diese Szenarien können für die Steuerung der Gegenwart hin zu einer besseren Zukunft genutzt werden…und Phil gestaltet dies aktiv mit über seine Design Futures Initiative.

#push19 future design

Den Abschluss des Events moderierten wieder die Macher des Events – Christian Perstl und Philipp Sackl waren über zwei Tage nicht nur Moderatoren und Gastgeber, sondern auch Macher hinter dem Event. Beide stellten abschließend das Team vor, und verabschiedeten uns herzlich. Danke vielmals, Christian und Philipp. Danke PUSH für zwei erhellende, tröstende, motivierende und begeisternde Tage. Und ich hoffe, bis 2020!

#push19 outtro

Summary Facts:

  • Alle Vorträge wie auch die Moderation liefen komplett auf Englisch
  • Der Anteil von Leuten unter 40 ist sehr hoch. Die Anzahl an Männern mit grauen Haaren sehr gering.
  • Der Anteil an Frauen ist sehr hoch, gefühlt mindestens 66%.
  • Es waren ca. als 650 Teilnehmer anwesend – international. Ca. 2/3 deutschsprachig.
  • Die Organisation war sehr professionell, die Leute dahinter engagiert und sehr jung. Ein Event von der Zielgruppe für die Zielgruppe.
  • Die Musik war nicht so meins und lief im Hintergrund im Foyer permanent. Passte aber zum allgemeinen Ambiente.
  • Kein einziger Mann im Anzug weit und breit. Somit definitiv etwas anderes als z.B. die dmexco. Also nicht nur inhaltlich, sondern auch vom grundlegenden Flair her.
  • Emfehlung? 5 von 5 Sternen. Für UXler und UIler eigentlich ein inspiratives Muss. Nichts für Entwickler oder Marketeers. Nochmal hin? Extrem gerne.